19.11.2025 – Bernhard Nocht – Organisator der deutschen Kolonialmedizin

Eine postkoloniale Kritik

Tropenkrankenhaus – das hört sich für Viele wie eine medizinische Serviceleistung für Kreuzfahrten und Fernreisen an. Doch zum 125 jährigen Jubiläum des Bernhard Nocht Institutes muss auch kritisch hinterfragt werden, welchen Beitrag diese Institution in der deutschen Gewaltgeschichte gespielt hat. In einer Laudatio für Ihren Namensgeber wird der stellvertretende Leiter des Institutes Gustav Giemsa 1918 deutlich: »…ohne diese Pionierarbeit ist an eine Erschließung und Besiedelung unseres Kolonialbesitzes nicht zu denken.« In seiner vor wenigen Monaten erschienenen Biographie: »Bernhard Nocht, Der Organisator der deutschen Kolonialmedizin«, beleuchtet Markus Hedrich den Lebenslauf des Namensgebers des Tropenkrankenhauses und zeichnet detailiert nach, wie sich Nocht als Vertreter einer »kolonialen Generation« zunächst als Militärarzt bei der kolonialen Inbesitznahme von Inseln im Pazifik bewährt und schließlich das Tropeninstitut zu einer der »wesentlichen kolonialmedizinischen Relaistellen des Kaiserreiches« (Markus Hedrich) ausbaut. Hedrich konstatiert dabei, das Kolonialismus eine Grundüberzeugung Nochts war. Auf ihn ist zum Beispiel die Empfehlung zurück zu führen, nach der die afrikanische und europäische Bevölkerung in den Metropolen der deutschen Kolonien aus hygienischen Gründen getrennt werden müssten, da er die afrikanische Bevölkerung entlang rassistischer Kriterien als Quelle von Krankheiten ausmachte. Welche Spuren die daraus folgenden kolonialen Massnahmen in der Stadtgesellschaft Daressalams hinterließen, und wie sich diese bis heute in die Geographie Daressalams eingeschrieben haben wird von Bernard Laulian Ntahondi nachgezeichnet, der als Ausstellungskurator und Historiker seit vielen Jahren zur Dekolonisierung des städtischen Raumes in Daressalam arbeitet.

Abschließend beschreibt die Initiative in Gedenken an Yaya Jabbi, wie die Erzählung von den Gefährlichen Schwarzen, die die Gesundheit der weißen Bevölkerung gefährdet, insbesondere in der Bernhard Nocht Straße zu Maßnahmen führt, die durchaus als rassische Segregationspolitik beschrieben werden können.

Mit:

Markus Hedrich

Historiker, Autor der Biographie »Bernhard Nocht, Der Organisator der deutschen Kolonialmedizin« 2025

Bernard Laulian Ntahondi

Dar Es Salaam Center for Architecture

Daniel Manwire

Initiative in Gedenken an Yaya Jabbi

Moderation: Meryem Choukri

Soziologin & Kulturwissenschaftlerin

Veranstalter*innen: interkulturelle werkstatt (ikw) e.V., Geschichts-AG denkXmal der fux eG und Initiative in Gedenken an Yaya Jabbi

19.11.2025, 19 Uhr, GWA St. Pauli, Hein-Köllisch-Platz 12, 20359 Hamburg