veröffentlichungen der ikw e.v.

Corry Guttstadt, Antisemitismus in und aus der Türkei
Unter Mitarbeit von Sonja Galler

Herausgeber: Interkulturelle Werkstatt (ikw e.V.), TürkeiEuropaZentrum an der Universität Hamburg und der Landeszentrale für politische Bildung Hamburg, 2023
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Antisemitismus in und aus der Türkei (Sammelband)

Seit dem Massaker der Hamas vom 7. Oktober 2023 zeigt sich der Antisemitismus in der Türkei in aller Offenheit: Die regierungsnahe Yeni Şafak ruft am, 8. Dezember auf der Titelseite die Welt dazu auf, die Juden zu vernichten (Dünya bu virüsü yok etmeli), AKP-Politiker bejubeln Hitler und den Holocaust, eine islamistische Zeitung fordert den Entzug der Staatsangehörigkeit türkischer Juden und sich als ‚Linke‘ verstehende vergleichen das Massaker der Hamas mit dem Aufstand im Warschauer Ghetto.

Doch schon seit längerer Zeit ist Antisemitismus in der Türkei ein weit verbreitetes Phänomen: Regierungspolitiker verbreiten antisemitische Verschwörungstheorien, beliebte Unterhaltungsserien im Fernsehen tragen Antisemitismus in türkische Wohnzimmer und Schulen, Universitäten oder Kulturfestivals werden nach antisemitischen Autoren benannt.

Zahlreiche antisemitische Topoi und Referenzen aus dem türkischen Diskurs – ob islamisch oder säkular – sind jedoch ohne eine Kenntnis des Hintergrunds nicht ohne weiteres erkennbar. Das führt in hiesigen Debatten zu pauschalen Vereinfachungen bezüglich des sogenannten ‚importierten‘ oder ‚islamischen‘ Antisemitismus oder aber zu seiner Bagatellisierung.

Der Sammelband stellt erstmals ein breites Spektrum historischer und aktueller Erscheinungsformen von Antisemitismus seit dem ausgehenden Osmanischen Reich bis in die gegenwärtige Türkei vor. Er umfasst Perspektiven verschiedener Wissenschaftsdisziplinen ebenso wie Erfahrungsberichte von Aktivistinnen und Aktivisten, die sich gegen Antisemitismus in der Türkei engagieren. Ein Augenmerk des Bandes gilt den Bezügen zur Gegenwart in der Türkei sowie zur Situation in der Bundesrepublik.

Inhaltsverzeichnis und Einleitung des Bands stehen hier zum Download zur Verfügung.

Corry Guttstadt: Zwischen Aufbruch und Verfolgung
Migrationsgeschichten türkischer Juden im 20. Jahrhundert

Herausgeber: ikw e.V.
Assoziation A, erscheint Mai 2021, 256 Seiten
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Corry Guttstadt: Zwischen Aufbruch und Verfolgung – Migrationsgeschichten türkischer Juden im 20. Jahrhundert

Die erste Generation türkischer Migranten in Deutschland und Europa war mehrheitlich jüdisch: Etwa 25.000 Juden aus der Türkei lebten während der Zwischenkriegszeit in Paris, Berlin, Mailand, Brüssel und zahlreichen anderen Städten Europas.
Mit Optimismus waren sie in die „neue Welt“ aufgebrochen. Ihre Lebensgeschichten zeugen von der Energie und dem Mut dieser Migrantengeneration. Das Spektrum ihrer Berufe reichte vom Straßenhändler bis zum Ingenieur, vom Textilarbeiter bis zum Opernsänger und vom Teppichstopfer bis zum Schriftsteller. In ihren neuen Aufenthaltsländern gründeten sie eigene Gemeinden und Synagogen und riefen kulturelle und soziale Vereinigungen ins Leben. Für die kurze Zwischenkriegszeit wurden die Gemeinden in Europa – vor allem in Paris – zu einem neuen pulsierenden Zentrum jüdischen Lebens, zum Ort sephardischer Kulturproduktion.

Doch der Nationalsozialismus löschte diese Welt aus. Die in Europa lebenden türkischen Juden wurden Opfer der deutschen Judenverfolgung: Tausende von ihnen wurden inhaftiert und in die Vernichtungslager deportiert und ermordet. Andere konnten untertauchen, nach Lateinamerika fliehen oder schlossen sich dem Widerstand an.

Die in dem Band versammelten Lebensgeschichten vermitteln sowohl einen Einblick in die Geschichte der Juden in der Türkei als auch in die Vielfalt ihrer Lebens- und Migrationswege und erinnern an ihre Verfolgungsgeschichte unter dem Nationalsozialismus. Die Biografien eröffnen damit eine neue Perspektive auf türkische Migration und jüdische Geschichte in Deutschland.

Corry Guttstadt, Wege ohne Heimkehr – Die Armenier, der Erste Weltkrieg und die Folgen
Unter Mitarbeit von Seyda Demirdirek und Elke Hartmann

Herausgeber: ikw e.V.
Assoziation A, 2014, 204 Seiten
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Corry Guttstadt: Wege ohne Heimkehr – Die Armenier, der Erste Weltkrieg und die Folgen

»Dies ist ein Weg, von dem es keine Heimkehr gibt«, notierte Armin T. Wegner im November 1915 in Ras al-Ayn im heutigen Nordsyrien. Wegner, der 1915-1916 als Sanitätssoldat der osmanischen Armee Augenzeuge des Völkermords an den Armeniern wurde, beschrieb mit seinem Tagebucheintrag das Los der vielen Hunderttausend Deportierten, die der sichere Tod erwartete.
Doch eine Heimkehr gab es auch für die meisten Überlebenden nicht. Nicht für Zabel Yesayan, eine der wichtigsten armenischen Schriftstellerinnen und engagierten Frauenrechtlerinnen ihrer Epoche, die sich der Deportation durch Flucht entzogen hatte, der die Erinnerung an den Ort ihrer Kindheit aber ein geistiger Zufluchtsort blieb. Nicht für den Lehrer Hagop Mintzuri, der zeitlebens nicht in das Dorf zurückkehrte, aus dem seine Frau, seine vier Kinder und alle anderen Angehörigen deportiert worden waren.

Ein Großteil der Texte thematisiert nicht den Völkermord selbst, sondern die Erinnerungen von ArmenierInnen an ihr Leben vor 1914 oder das Weiterleben im Exil bzw. in der Republik Türkei. Sie vermitteln einen Eindruck der vielfältigen Lebensrealitäten von Armeniern im Osmanischen Reich. Armenier nahmen aktiv Anteil am intellektuellen Aufschwung gegen Ende des 19. Jahrhunderts. Ob Lyrik, Prosa oder Journalismus, von der Satire bis zum Theater, die armenische Literatur war ein entscheidender Bestandteil der osmanischen Literatur jener Epoche. In den Werken der armenischen AutorInnen drückt sich ihre Hoffnung und dann, angesichts der Ausgrenzung und Vernichtung ihres Volkes, ihre Verzweiflung aus, die sich ganz ähnlich dem deutsch-jüdischen Schreiben des frühen 20. Jahrhunderts in hellsichtiger Gesellschaftsanalyse und Satire Bahn bricht.

Eine Lizenzausgabe dieses Werks erschien 2015 auch bei der Bundeszentrale für Politische Bildung:

Schon 2013 veröffentlichte die ikw e.V. eine erste, knappere Version dieser Anthologie unter dem Titel Die auf den Weg ohne Heimkehr getrieben wurden

Corry Guttstadt: Die Türkei, die Juden und der Holocaust

Herausgeber: ikw e.V.
Assoziation A, 2014, 204 Seiten
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Corry Guttstadt: Die Türkei, die Juden und der Holocaust

Die erste Generation türkischer Migranten in Westeuropa war mehrheitlich jüdisch. 20 bis 30.000 Juden türkischer Herkunft lebten während der Zwischenkriegszeit in verschiedenen europäischen Ländern, wo sie eigene sephardische Gemeinden gründeten. Obwohl viele von ihnen Opfer der Schoah wurden, wurden sie in der internationalen Holocaustforschung bislang kaum berücksichtigt.

Die Autorin untersucht die wechselvolle Geschichte der Juden der Türkei. Noch gegen Ende des 19. Jahrhunderts hatten die etwa 400.000 Juden des Osmanischen Reiches weltweit eine der größten und blühendsten Gemeinden gestellt. Die Kriege zu Beginn des 20. Jahrhunderts sowie der forcierte Nationalismus der neu entstehenden Nationalstaaten trieb viele von ihnen in die Emigration. In zahlreichen europäischen Metropolen entstanden türkisch-jüdische Gemeinden, die ihre eigenen kulturellen und sozialen Strukturen hervorbrachten. Während des Nationalsozialismus wurden viele ihrer Mitglieder Opfer der Judenverfolgung, obwohl sie als Angehörige eines neutralen Staates speziellen Bedingungen unterlagen.

Das Buch geht dem Schicksal türkischer Juden in verschiedenen europäischen Staaten unter der NS-Herrschaft nach. Besonderes Augenmerk liegt dabei auf der widersprüchlichen Politik der Türkei, die zwar einerseits verfolgten deutsch-jüdischen Wissenschaftlern und Künstlern Exil gewährte, andererseits jedoch wenig unternahm, um ihre im NS-Machtbereich befindlichen jüdischen Staatsbürger zu retten. Auch innerhalb der Türkei wurden Juden durch eine Sondersteuer faktisch ihres Besitzes beraubt, sodass die Mehrheit der verbliebenen Juden der Türkei nach Gründung des Staates Israel dorthin emigrierte.

2012 und 2013 erschienen auch eine englische und eine türkische Fassung des Buches: